Leichte Sprache: Standardisierung und Verbesserung des Zugangs

25.02.2021

Am 18. Februar fand der internationale Online Runder Tisch „Leicht, doch nicht einfach. Semantische Analyse, Sprachniveaus. Einfache oder leichte Sprache – wo liegt der Unterschied?“ in Minsk statt.

Die Veranstaltung kam als ein Teil des Projekts „Leichte Sprache: Standardisierung und Verbesserung des Zugangs“ zustande, das von Life guide/Belarussischer Assoziation Hilfe für Kinder und junge Menschen mit Behinderungen (BelAPDIiMI) in Kooperation mit der nichtstaatlichen Initiative Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Berlin-Köpenick, Förderkreis Hilfe für strahlengeschädigte belarussische Kinder, Berlin im Rahmen des Förderprogramms Belarus der Bundesregierung realisiert wird.

Über insgesamt 30 TeilnehmerInnen, darunter Vertreter von Verbänden, Elternorganisationen, Spezialisten staatlicher Stellen (Bildung und Soziales), Vertreter internationaler Organisationen, Mitarbeiter des Staatlichen Komitees für Normung (Gosstandard) im Bereich technische Normung und Standardisierung, Konformitätsbewertung und Managementsysteme, Prüfer für Texte in leichter Sprache aus sieben Ländern (Belarus, Finnland, Russland, der Ukraine, Moldau, Kasachstan und Deutschland) nahmen am Runden Tisch teil.

Die Experten teilten ihre Arbeitserfahrungen und Pläne zur Entwicklung dieser Richtung in ihren Heimatländern. Texte in leichter Sprache, die von Spezialisten geschrieben und angepasst werden, Informationen, die den Menschen mit geistiger Behinderung zugänglich gemacht werden, sind maximal zielgruppenorientiert. Belarussische Spezialisten berichteten von ihren Erfolgen im Bereich leichte Sprache sowie Aussichten für das nächste Jahr. Das Hauptziel ist die Erstellung eines Standards für leichte Sprache in Belarus in Kooperation mit dem Forschungsinstitut BelGISS. Alle Teilnehmer verzeichneten den maßgebenden Beitrag von Belarus zur Förderung dieser Richtung. In der Diskussion wurde noch ein Thema für weitere Erforschung identifiziert, nämlich die Niveaus der leichten Sprache und das Herangehen zu deren Bestimmung.

Das Projekt „Leichte Sprache: Standardisierung und Verbesserung des Zugangs“ zielt auf eine bessere Barrierefreiheit von Informationen für Menschen mit Behinderung, Lern- und Verständnisschwierigkeiten (einschl. Jugendliche und junge Erwachsene) mit der Schaffung von Standards für leichte Sprache und Methodenverbreitung in ganz Belarus gerichtet.

Das Problem in Belarus bleibt aktuell trotz dem breiten Lobbying der leichten Sprache seit 2016: Menschen mit geistiger Behinderung werden als Empfänger der Leistungen und nicht als Subjekte betrachtet, die ihre Rechte und Bedürfnisse anmelden können. Größtenteils sind Informationen, ob gedruckt oder elektronisch, nicht klar für Menschen mit Lese- oder Schreibproblemen oder schwer zu verstehen für sie. Ungewollt scheiden viele aus dem sozialen, politischen und kulturellen Leben des Landes aus.

Mittlerweile ist BelAPDIiMI die erste und einzige Organisation, die sich mit der Übersetzung diverser Informationen in leichte Sprache befasst. Die Organisation engagierte neue Spezialisten und Prüfer, die eine Reihe von Workshops für Mitarbeiter der Bildungs- und Sozialschutzeinrichtungen veranstaltet haben.

Durch die Umsetzung der für Belarus innovativen Methodik der leichten Sprache können Organisationen aus mehreren Bereichen ihre Dienste verbessern. In die leichte Sprache wurden Texte zu unterschiedlichen Themen wie Soziales, Bildung, Gesundheit, Bankwesen, Kultur, Sport, Tourismus u.a. übersetzt. Viele Menschen profitieren von der hohen Qualität der Leistungen, und das sind nicht nur Menschen mit geistiger Behinderung, sondern auch Senioren, Jugendliche, Analphabeten, Ausländer, die schlecht Russisch können, Personen mit Migrationshintergrund und andere.

Somit können Menschen dank notwendigen Informationen in leichter Sprache selbständige Entscheidungen treffen und am gesellschaftlichen Leben aktiv teilhaben.

Das Projekt ist auf weitere Förderung und Schaffung eines barrierefreien Kommunikationsumfeldes für Menschen mit Verständnisschwierigkeiten gerichtet. Es wird im Einklang mit dem Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, dem Nationalen Plan zur Implementierung dieses Übereinkommens in der Republik Belarus, der Umsetzung der Agenda 2030 über eine Standardisierung der leichten Sprache nach den internationalen Normen sowie     der leichten Sprache auf staatlicher Ebene realisiert.

Damit die Positionen der Spezialisten von BelAPDIiMI als Übersetzer der Texte in einfache Sprache sowie die Qualität der Übersetzungs- und anderen Dienste gesichert werden sowie zur Entwicklung eines Übersetzungsmarktes wird eine Standardisierung der leichten Sprache in Kooperation mit BelGISS geplant. Leitlinien, die von BelAPDIiMI zusammen mit dem Institut für inklusive Bildung erarbeitet wurden, sowie die Anpassung der internationalen Regeln für leichte Sprache wie der Richtlinien von Inclusion Europe und der internationalen TÜV-Norm werden dem staatlichen Standard der leichten Sprache zugrunde gelegt.

Das Ziel des Projekts ist auch die Entwicklung des sozialen Unternehmertums in Belarus durch die Gründung einer Übersetzungsagentur in Minsk sowie über ein Partnernetzwerk, einschl. Partner in Gomel und Orscha.

Welche konkreten Veränderungen in der Lage der Zielgruppen durch das Projekt werden erwartet?

Menschen mit Behinderung:  werden zur Bewertung der Texte in Bezug auf deren Erfassbarkeit durch unterschiedliche Zielgruppen befähigt und bekommen somit die Chance, eine Arbeitsstelle zu finden.

So können Menschen mit Behinderung ihr Einkommensniveau erhöhen und sich besserstellen, ihre Kommunikationserfahrungen und sozialen Kontakte wesentlich erweitern. Außerdem werden sie ihre geistigen Fähigkeiten entwickeln und durch die Behandlung unterschiedlicher Themen ihre Kenntnisse in diversen Bereichen vertiefen, wie auch ihren Interessenkreis breiter machen können.
Die erreichten Ergebnisse werden dazu verhelfen, dass Menschen mit Behinderung seltener in psychoneurologische Internate eingewiesen werden.

Menschen mit Lern- und Verständnisproblemen, darunter Senioren: werden Zugang zu Informationen in diversen Bereichen des Lebens bekommen und ihren sozialen Status und ihr Selbstwertgefühl sowie ihre Selbständigkeit bei den Entscheidungen, die ihr Leben unmittelbar angehen, erhöhen können.

Spezialisten aus dem Bereich Bildung, Soziales u.a.: werden ihre Kompetenz in Fragen barrierefreies Informationsumfeld erhöhen, Kenntnisse zur Methode der leichten Sprache, Standards und deren praktischem Einsatz erwerben, spezifische Kompetenzen in Bezug auf Rechte der Menschen mit Behinderung auf zugängliche Informationen und Schaffung eines barrierefreien Kommunikationsumfeldes entwickeln.

Vertreter der breiten Öffentlichkeit (Kunden: Banken, Gesundheits-, Transport-, Service- und Bildungseinrichtungen): werden durch Übersetzungsaufträge in leichte Sprache die Zugänglichkeit ihrer Dienste für Menschen mit Verständnisproblemen entwickeln sowie Kompetenzen im Umgang, Verständnis und Kommunikation mit Menschen mit Behinderung erwerben, was wiederum zum weiteren Aufbau einer inklusiven Gesellschaft beitragen wird.

Das Projekt wird vom Verband Life guide/Belarussische Assoziation Hilfe für Kinder und junge Menschen mit Behinderungen (BelAPDIiMI) in Kooperation mit der nichtstaatlichen Initiative Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Berlin-Köpenick, Förderkreis Hilfe für strahlengeschädigte belarussische Kinder, Berlin mit Unterstützung durch das Capito Büro für barrierefreie Information, Berlin umgesetzt.

Partner:

Institut für inklusive Bildung, Belarussische staatliche pädagogische Maxim-Tank-Universität (IIO BGPU)

Territoriales Zentrum für soziale Dienste Rayon Orscha

BelAPDIiMI, Städtische Filiale Gomel

Belarussisches staatliches Institut für Standardisierung und Zertifizierung (BelGISS)

Das Projekt wird mit Unterstützung des Ministeriums für Arbeit und Sozialschutz realisiert.

Abwicklungsfristen: Juli 2020–Dezember 2021

Quelle: https://lifeguide.by

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